Kostenstelle Igel und Matthäus 25

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Hier war unsere kleine Krawallbürste „Sushi“ noch ganz klein und wog 220g. Jetzt wiegt sie schon 710g und ist kurz vor dem Winterschlaf. Das Knöpfchen zeigt dass dieser Igel eine Igelin ist.

Was bedeutet es einen Igel aufzunehmen? Es ist doch viel aufwändiger als man meint. Das Saubermachen ist dabei das Geringst finde ich. Hat man den Bogen erst einmal raus dann ist es absolut machbar. Es ist doch eher das Drumherum bis ein solch kleiner Igel gesund ist. Wer so klein so spät im Jahr gefunden wird hat Probleme. Verschiedene Würmer sorgen für Unwohlsein. Auch bei mir weil ein Igel, solange er Parasiten hat fürchterlich stinkt. So klein gehört er aber ins warme und so stinkt es im Haus. Sobald ein Igel von allen Würmern befreit ist riecht er unauffällig, sogar weniger als andere Haustiere. Das mag daran liegen dass jeden Tag der Käfig komplett gereinigt wird weil ein Igel eine Wildsau ist und auch gerne ins Trinkwasser kackt. Die Herausforderung ist es die richtigen Wurmmittel zu verabreichen. Eine Paste beseitigt Darmwürmer. Gespritzt muss ein Mittel gegen Lungenwürmer werden und dieses Medikament ist nicht ohne. Entweder der Igel schafft es oder er stirbt. Dieses Medikament ist alternativlos. Der Tod durch Würmer ist langwierig und leidvoll. Manch Tierarzt kuckt nur ob Befall ist dífferenziert aber zu wenig. Damit werden dann nur einige Parasiten entfernt, aber die schlimmste Sorte, die Lungenwürmer, eben nicht. Unsere Igelin hat sowas von gehustet. Sie liebt es halb in der Röhre zu liegen. Und da schallt dann ein Husten raus… unglaublich. Zeitaufwändig ist es also den Igel immer wieder zur fachkundigen Stelle zu fahren. Paste in den Mund, das mach ich, Spritzen will ich nicht. Gut dass ich eine Fachfrau 15 Minten entfernt habe die immer präsent ist.

Ein Igel frisst was das Zeug hält. Soll er ja auch weil er vor dem Winterschlaf zunehmen muss. 2 € pro Tag sind es mindestens die er verspeist! Dazu kommt der Tierarzt, Medikamente, viel Zeit.

Jeder Igel hat einen anderen Charakter und es macht mir Freude das zu beobachten.

Jetzt stinkt sie seit zwei Tagen nicht mehr. Davor war dieser Igel grenzwertig, wirklich. Ich hatte viel Migräne und da dachte ich ich halt sie nicht mehr aus.

Wenn ich mich morgens über das Chaos im Stall beuge und alles einrolle und anschließend säubere dann halte ich kurz inne und wende mich innerlich nach oben. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Matthäus 25“.  Meine Auslegung ist „was du für den Kleinsten dir anvertrauten getan hast, das hast du mir getan“. Das Niederknien vor dem Stall und dem kleinen Wesen ist derzeit meine tägliche Meditation, mein Gebet, meine Geste mich für alles zu bedanken. Die Ausgaben für das kleine Tier, die kleinen Tiere, kommen in den virtuellen Klingelbeutel.

Bald ist es Zeit auch für die kleine Igelin zu Schlafen. Meinem Toast Shibuya habe ich Heu vom Oberland in seinen Stall gelegt. Er baute mit Läppchen, Zeitung, Holzwolle und Heut sein Winternest. Es duftete nach Sommer und so kann er von ihm träumen. Bald, schon bald streift sein weiches Bäuchlein die feuchten Frühlingswiesen. Bis dahin wache ich noch eine Weile über die kleinen Wesen und dann kommt die große Freiheit.

 

 

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