Bequemschuh

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Filzhalbschuh

Gute Schuhe zu fertigen ist eine Kunst! Was aber sind denn eigentlich Gute Schuhe? Der Schuhorthopädiemeister, wo ich meine Einlagen habe machen lassen, erklärt mir wie ein guter Schuh aus seiner Sicht sein muss: einen stabilen Fersenhalt sollte der Schuh haben. Die Zehen sollten, wie bei kleinen Kindern, einen Daumen Spiel zur Schuhspitze haben damit der Fuß ausreichend Platz für die Abrollbewegung hat. Natürlich geht das weder bei hohen Schuhen noch bei Ballerinas ohne Riemen. Da entscheide man zu Gunsten der Schönheit eben gegen einen gesunden Tritt.

Der Schuster sagt seine Maßschuhe hätten keinen cm Platz vorne. Auch hier gibt es einen  Kompromiss zu Gunsten eines formschönen Schuhs.

Das individuelle Schönheitsempfinden spielt eine wesentliche Rolle. Bei dem grünen Halbschuh lag für mich die Anlehnung an die Waldläuferschuhe so auf der Hand dass ich zunächst sehr zurückhaltend war. Globig, breit und null schnittig kommt dieser Schuh daher. Total komfortabel, absolut bequem, aber eben ein Bequemschuh. Ich bin in meiner Schulzeit umgeben gewesen von Birkenstock- und Bequemschuhträgern und ja, ich fand diese Entenschuhe schon damals fürchterlich. Wenn selbige dann noch ausgelatscht sind gibt es für mich kaum etwas unattraktiveres. Da hilft für mich auch kein knallgrünes Schlangenlederimitat und schon gar keine Blümchen um das ganze Salonfähig zu machen. Selbst vor ein paar Jahren erlebte ich wieder eine Mutter die ihrem Kind knallrote Waldläuferschuhe in zwei Nummern zu goß anzog. Auf meine Frage hin warum der Schuh so groß wäre sagte sie „weil man in diese teuren Schuhe ja reinwachsen könne“. Das dauende Stolpern des Mädchens wurde dabei in Kauf genommen. Ich verstehe so einen Ansatz überhaupt nicht!

Nun, mit meinen Lieblingshosen fällt der orthopädischer Bequemschuhlook für mich nicht auf. Allerdings würde ich mich beim nächsten mal wieder für eine höhere Variante entscheiden. Durch die schmele Stelle an den Fesseln bekommt der bequeme Schuh wieder etwas sportlicheres.

Wenn ich mich umsehe finde ich selten Schuhe schön. Höchst selten sogar! Weil meine Füße bestimmte Dinge nicht mitmachen und ich schon längst nicht mehr gewillt bin wegen Schuhen die Zähne zusammen zu beißen habe ich mich von der Idee „schöne Schuhe“ schon lange verabschiedet und wähle inzwischen Schuhe aus die ich farblich gut finde, vielleicht nicht schön sind aber dafür polarisieren und bequem sind.

Es gibt viele Überlegungen zum Schuhthema. Eines ist mir ganz bewusst  geworden. Schuhe sind viel mehr als nur Schuhe. Nicht nur Kleider machen Leute. Schuhe sind auch Ausdruck eines Lebensgefühl einer Einstellung zur Gesundheit, zur Schönheit, zur Natur zum Lebensstil. Den idealen Schuh für alle Gelegenheiten, für alle Bedürfnisse gibt es nicht! Eine Überraschung für mich. Das könnte natürlich längst klar sein weil es ja überall präsent ist; Abendschuhe, Laufschuhe, Bergschuhe, Gummistiefel, Radlschuhe u.v.m. Und doch habe ich mir das nicht wirklich klar gemacht sondern diese alltägliche Selbstverständlichkeit als Firlefanz und Schickipeng abgetan. In einer Zeit wo es für jeden Kuchen einen besonderen Teller gibt, jeder Kaffee seinen eigenen Behälter bekommt, man aus x Milchsorten wählenkann, neige ich dazu diese Vielfalt als Schnickschnack und weitgehend überflüssig zu empfinden. Innerlich hoffe ich oft wahren Allrounder zu finden. Für den Winter habe ich meinen Schuhallrounder in den halbhohen Filzstiefeln mit seitlicher Bindung für mich gefunden; federleicht, warm, wunderbar stoßgefedert, bequem, atmungsaktiv farblich schön und ich finde ihn cool. Ja, er ist auch Ausdruck meines Lebensgefühls.

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